Sonntagsgedanken

Seit knapp zwei Wochen sind auch die letzten SoldatInnen aus Afghanistan zurück in Deutschland. 264 landeten am 30.6. wohlbehalten in Wunstorf und nach einem kurzen, schmucklosen Antreten vor dem Leiter des Einsatzführungskommandos, zuständig für alle im Einsatz befindlichen SoldatInnen, ging es für alle in die Arme ihrer Angehörigen. Viele Zuschriften haben mich erreicht. Verärgert, aufgebracht, enttäuscht, voller Vorwürfe über die Politik, die nicht vor Ort war, um den RückkehrerInnen einen würdigen Empfang zu bereiten. Ich habe Verständnis dafür. Auch mich bekümmert das Bild, das erzeugt wurde.

Ich wäre gerne vor Ort gewesen, einfach nur da sein, um über die Anwesenheit Wertschätzung, Dank und Stolz auszudrücken. Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee. Ich bin mir als Abgeordnete, die mit ihrer Stimmkarte die Einsätze beschließt, meiner Verantwortung gegenüber den SoldatInnen und ihren Angehörigen sehr bewusst. Insbesondere mit diesem Wahlkreis, aus dem in jeden Einsatz Angehörige der Bundeswehr entsandt werden. Es wäre meiner Meinung nach durchaus möglich gewesen, die sog. Obleute ins Bild zu setzen oder zumindest den Vorsitzenden des Auswärtigen und des Verteidigungsausschusses Bescheid zu geben, sodass über eine kleine Abordnung von ParlamentarierInnen die Verbundenheit des Parlamentes zur Bundeswehr Ausdruck hätte finden können. Nichts sagen, nur da sein. Es wäre auch richtig gewesen, dass VertreterInnen der Regierung vor Ort gewesen wären. Nichts/nicht viel sagen, da sein – Wertschätzung ausdrücken. In Gedenken an die Toten und Gefallenen, in Anerkennung für den geleisteten Dienst, in Wertschätzung für die getragenen Sorgen der Angehörigen. Wir hätten da sein müssen – und es tut mir wahnsinnig leid, dass ich nicht da sein konnte. Wer das wann und warum entschieden hat, ist mir mittlerweile einerlei. Das schmucklose Bild, der dadurch entstandene Eindruck, dass Politik nachlässig, mit einer egal-Haltung mit ihrer Parlamentsarmee umginge, das lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee. Der Afghanistan-Einsatz hat die Bundeswehr geprägt, er hat aber auch das Parlament geprägt. Die Bundeswehr verdient mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung, mehr Öffentlichkeit. Deshalb finde ich, dass der angemessene Ort um 20 Jahre Afghanistan Einsatz zu würdigen der Platz der Republik vor dem Reichstag ist – da gehören Sie hin: Ins Herz der Demokratie! Danke für Ihren Dienst!